War die Reaktion der Polizei in Gießen gerechtfertigt?
Was ist passiert?
Am 29. November 2025 fand in Gießen eine Veranstaltung der AfD-Jugendorganisation "Generation Deutschland" statt. In Gießen versammelten sich zahlreiche Demonstranten, um gegen die neue Organisation zu protestieren.
Im Vorfeld wurden angebliche Ankündigungen von massiver linker Gewalt Stimmung in der Bevölkerung gemacht. Auch wenn im Wesentlichen demokratische friedliche Organisationen, wie die Kirchen und andere Demokraten zu den Protesten aufgerufen haben. Der "Linke schwarze Block" war natürlich ebenso tätig, stellt aber nur eine geringe Zahl an Personen in Deutschland und auf der Demo in Gießen.
Im Rahmen der Demonstration kam es zu diversen Vorkommnissen, wo die Polizei fragwürdig viel Gewalt eingesetzt hat, die augenscheinlich nicht begründet ist.
Es gibt vor allen Dingen auf Instagram Videos, die die friedlichen Demonstrationen zeigen. Beispiel: Illustrationen zu "Gießen brennt".
Faktencheck
Wie groß ist der gewaltbereite "linksextremistische Block"?
Laut dem Verfassungsschutz ist die Gruppe der linkeextremistischen Personen in 2024 ca. 11.200 Personen groß, davon sind 8400 Autonome, die als sehr gewalbereit gelten. Diese sind in 2024 laut Verfassungsschutz für ca. 5000 Straftaten verantwortlich, davon ca. 1000 Gewalttaten gegen Menschen. Dies sind auch Widerstände gegen Polizisten bei Demonstrationen.
In der Polizeistatistik für politisch motivierte Straftaten sind für 2024 ca. 762 Straftaten registriert. (Die Unterschiede zwischen Verfassungsschutz und Polizeistatistik liegen an wesentlich lockereren Kriterien, was politisch motiviert ist, und was nicht und die Polizei wertet nur abgeschlossene Straftaten, die angezeigt wurden. Der Verfassungsschutz wertet auch Propaganda, Hassrede, ...)
Um das in Relation zur "Gegenseite" zu setzen, es gab in 2024 ca 50.250 rechtsextremistische bekannte Personen, davon 15.300 gewaltbereite rechtsextremisten. Diese waren laut Verfassungsschutz für 37835 Straftaten verantwortlich gewesen, davon 1281 Gewalttaten.
In der Polizeistatistik für politisch motivierte Straftaten sind für 2024 ca. 1488 Straftaten registriert.
Auch in anderen Statistiken zeigt sich ein ähnliches Bild.

Der "Linke Block" ist also vergleichsweise klein und für wenig Taten verantwortlich. Dennoch wird es medial immer sehr hoch gekocht und aufgebauscht, während rechte Gewalt heruntergespielt oder ignoriert wird in vielen Medien.
War das Polizeiaufgebot gerechtfertigt?
Man sieht im Abschnitt zur Größe des linken Blocks, dass die Panikmache nicht gerechtfertigt war, der "linke Block" ist insgesamt für eine geringe Menge an Gewalt und Straftaten verantwortlich und die Menge an potenziellen Gefährdern bei der Demo in Gießen war erwartungsgemäß gering. Die Polizei meldete auch, dass die Demonstration überwiegend friedlich ablief. Der Bürgermeister von Gießen meldete, "Gießen hat geleuchtet, nicht gebrannt" und bestätigte den friedlichen Protest.
Das "Brückenvideo"
Was ist passiert? Hierzu ein Zitat von Sina Reisch, einer eine deutsche Klimagerechtigkeitsaktivistin und Podcasterin. Sie war vor Ort und hat auch ein Video von der Situation dort aufgenommen:
Sie sind ausgestiegen, haben sich aufgereiht. Es gab keinerlei Versuch einer Kontaktaufnahme, keine Durchsage, keine Ansage – nichts. Dann sind sie brüllend losgerannt wie eine Horde, ja, wie so eine zugekokste Prügelbande und haben auf die Leute eingeprügelt, ohne Vorwarnung, ohne Ansage – nichts.
-- Zitat von Sina Reisch
Nach Ihrer Aussage in einem anderen Video sind die Beamten nach der Prügelei einfach wieder weggefahren. Es wurde also nichts aufgelöst oder umgeleitet. Es wurde Gewalt ausgeübt und nach "getaner Arbeit" sind die Beamten weggefahren. Wenn das Ziel war z.B. die Strecke zu räumen, dann ist nicht nachvollziehbar, warum ohne das Ziel zu erreichen der Einsatz da abgebrochen wurde. Der einzige Effekt der Aktion war die Demonstranten, die friedlich auf dem Weg zur Demo waren, zu verletzen und einzuschüchtern.
Ihre Stellungnahme auf Instagram (Alternativ auf Facebook) wo sie mitteilt, dass die Polizei ohne Durchsage und Vorwarnung auf die Demonstranten eingeprügelt hat.
Die Hessenschau hat sich dem bekannten Video gewidmet
Das Polizeipferd
Eine erfundene Geschichte ist das Polizeipferd, das angeblich getötet oder verletzt wurde.
Die Polizei selber hat veröffentlicht, dass das Pferd ohne externe Beeinflussung gestürzt ist und sowohl Reiter und Pferd wohl auf sind.

Das hält die rechte Szene nicht davon ab auch nach dem Dementi der Polizei die Lügen weiterzuverbreiten und immer weiter auszuschmücken. Das sollte Anhängern der rechten Ideologie mal zu denken geben, wenn deren Medien in diesem sehr einfach nachprüfbaren Fall schon so lügen, was ist dann beim Rest. Aber da ist von Einsicht leider selten etwas zu spüren. (Spannend, dass diejenigen, die andere als Schlafschafe bezeichnen, blind und taub hinter ihren Vorbildern herlaufen, ohne "selbst zu denken", was immer propagiert wird)
Weitere Berichte zu den Protesten
Reporterin von Perspektive Online berichtet über Schläge durch die Polizei.
Bericht zu Polizeigewalt an den Lahnbrücken durch "Moers ist bunt nicht Braun bei Facebook
Trotz friedlicher Demo eskaliert die Gewalt an den Lahnbrücken Bei den Protesten gegen die AfD-Jugend kam es zu Zusammenstößen. Polizeigewalt und Taxiservice-Vorwürfe sorgen für Empörung. ...
Fazit
Das Vorgehen der Polizei ist höchst fragwürdig bei dem Einsatz in Gießen und wird hoffentlich noch gerichtlich aufgearbeitet. Es wurden viele Menschen die ihr friedlich genutzt haben verletzt. Eine deeskalierende Strategie war an vielen Stellen nicht zu erkennen.
Sehr sehenswert ist auch die Aufarbeitung von Marcant:
Info
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Proteste gegen die AfD sind undemokratisch
